Geschichte der LAG SELBSTHILFE
Geschichte / Entwicklung der LAG SELBSTHILFE Baden-Württemberg e.V.
- Gründung der LAGH
- LAG SELBSTHILFE-Vorstände
- Entwicklung der LAG SELBSTHILFE
- Zurückliegende Aktivitäten
- Förderung innovativer Selbsthilfe-Projekte
Gründung
Seit 1987 besteht die Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe behinderter Menschen Baden-Württemberg e.V., die bis Herbst 2005 Hilfe für Behinderte Baden-Württemberg e.V. (LAGH) hieß. Auf ehrenamtlicher Basis wurde sie am 28. Februar 1987 in Stuttgart von 22 Vertretern gegründet, der verschiedene Verbände chronisch kranker und behinderter Menschen angehören. Mit der baden-württembergischen LAGH sollte eine unabhängige Arbeitsgemeinschaft der Behindertenselbsthilfe entstehen, in der kleinere und größere Verbände ihren gleichberechtigten Platz nebeneinander finden.
Die LAGH verstand sich von Anfang an als ein eigenständiges sozialpolitisches Sprachrohr der Selbsthilfe. Durch die Initiative ließ sich der Erfahrungsaustausch der Mitglieder untereinander ausbauen sowie die Durchführung gemeinsamer Aktionen und die gegenseitige solidarische Unterstützung der Anliegen einzelner Vereine fördern. Gleichzeitig sollte die LAGH Baden-Württemberg als neuntes LAGH-Mitglied in der Bundesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte (BAGH, Düsseldorf) bundesweit politisch mitwirken und mit den Arbeitsgemeinschaften in den anderen Bundesländern eng zusammenarbeiten.
LAG SELBSTHILFE-Vorsitzende
Als Vorsitzende der LAG SELBSTHILFE/LAGH Baden-Württemberg engagierten sich seit der Gründung:
- 1987 – 1989 Wilhelm Buggle, Vorstandsmitglied des Landesverbandes Baden-Württemberg der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung und Mitglied des baden-württembergischen Landtags (MdL)
- 1989 – 1990 Franz Baum, Mitglied der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Mukoviszidose. e.V., MdL (1972 – 1988)
- 1990 – 1999 Dr. Friedhelm Repnik, 1988-2006 MdL, 1998-2004 baden-württembergischer Sozialminister (mit dem Zeitpunkt seiner Ernennung übernahm Horst Mehl kommissarisch die Funktion des Vorsitzenden)
- 1999-2005 Horst Mehl, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Mukoviszidose e.V.
- seit 2005 Hermann Seimetz, 1980-2006 MdL
Der damals amtierende baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel war von 1991 - 2005 Schirmherr der LAGH. Im Herbst 2005 hat Inken Oettinger die Schirmherrschaft übernommen.
Entwicklung
Seit
1993 arbeitet die LAG SELBSTHILFE mit einer hauptamtlich besetzten Geschäftsstelle
(siehe auch Organisationsstruktur).
Die Zahl der Mitgliedsverbände ist
bis heute auf 57 angestiegen. Damit vertritt die LAG SELBSTHILFE die
Interessen von insgesamt über 60.000 Einzelpersonen.
Der Anspruch der Behindertenselbsthilfe, ihre Interessen und Bedürfnisse über
die LAGH/LAG SELBSTHILFE selbstständig vertreten zu wollen, rief
bei den Wohlfahrtsverbänden anfänglich Skepsis
hervor. Mittlerweile ist der LAG SELBSTHILFE Baden-Württemberg jedoch
der Nachweis gelungen, dass mit ihr eine ergänzende Struktur zu
den Wohlfahrtsverbänden entstanden ist: die LAG SELBSTHILFE erweitert
den Blickwinkel der Einrichtungsträger und Dienstleister um die
erforderliche Sichtweise
von Betroffenen und Nutzern. Denn ausgehend vom Selbsthilfegedanken
erfüllt die LAG SELBSTHILFE andere Aufgaben als die vom Fürsorgegedanken
bestimmten Spitzenverbände.
Als Neuling musste sich die LAGH die Anerkennung als kompetente Ansprechpartnerin in behinderten- und gesundheitspolitischen Fragen bei Behörden, in politischen Gremien und anderen Institutionen erarbeiten. Der Erfolg der LAGH/LAG SELBSTHILFE zeigt sich in ihrer Berufung als Mitglied mehrerer Beratungsgremien sowie ihrer Anhörung bei Gesetzgebungsverfahren und Fachgesprächen. Die LAG SELBSTHILFE ist ein unverzichtbares Element der sozialen Infrastruktur Baden-Württembergs. Insbesondere wird die Vernetzungs- und Bündelungsfunktion der LAG SELBSTHILFE als Initiatorin und Mitgestalterin einer von den Mitgliedsverbänden getragenen Sozialpolitik geschätzt. Das Sozialministerium Baden-Württemberg fördert daher die Arbeit der LAG SELBSTHILFE mit einem jährlichen Zuschuss aus Landesmitteln.
Ihr Selbstverständnis hat die LAG SELBSTHILFE seit ihrer Gründung unverändert beibehalten. So setzt sie sich seit über einem Jahrzehnt für die Selbstbestimmung, Selbstvertretung, Normalisierung, Integration und Teilhabe am öffentlichen und gesellschaftlichen Leben sowie für die rechtliche und tatsächliche Gleichstellung behinderter und chronisch kranker Menschen ein (vergleiche „Wir über uns”).
Aktivitäten
Ein kleiner Einblick in zurückliegende Aktivitäten der LAGH/LAG SELBSTHILFE Baden-Württemberg:
- Im Stuttgarter Landtag wurde in den Jahren 1995, 1998 und 2000 der „Tag behinderter Menschen” durchgeführt mit Foren und Arbeitskreisen aus den Bereichen „Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen”, „Integrative Erziehung und Bildung”, „Selbsthilfeförderung”, „Ausbildung und Arbeit”, „Bioethik”, „Barrierefreie Umwelt” etc.
- Beim Protesttag behinderter Menschen für die Gleichstellung am 5. Mai 1999 übertrug der SWR eine Life-Diskussion zur Arbeitsmarktsituation von Menschen mit Behinderungen aus der Lebenshilfe-Werkstatt in Pforzheim.
- Auf dem 28. Deutschen Evangelischen Kirchentag im Juni 1999 organisierte die LAGH künstlerische und sportliche Auftritte von Menschen mit Behinderung beim „Abend der Begegnung” sowie einen Infostand auf dem „Markt der Möglichkeiten”.
- Unter dem Motto „Wir legen uns nicht auf die faule Haut! Selbsthilfe – wir tun etwas!” präsentierte sich die LAGH gemeinsam mit ihren Verbänden im Oktober 1999 auf der Gesundheitsmesse „Pro Sanita” (Stuttgarter Killesberg).
- Anlässlich von „Erinnerung 2000 – 60 Jahre Euthanasie” hielt Erika Feyerabend von BioSkop e.V. im Auftrag der LAGH einen Vortrag über die Pränatale Diagnostik (Januar 2000).
- Seit April 2000 führen die Spitzenorganisationen der Selbsthilfe, das heißt die LAGH/ LAG SELBSTHILFE, die Landesarbeitsgemeinschaft Kontakt- und Informationsstellen (LAG KISS) und der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband DPWV (PARITÄTISCHER), die gemeinsamen Gespräche mit den Krankenkassen über die Umsetzung des „Selbsthilfe-Paragrafen” in Baden-Württemberg (§ 20, Abs. 4 SGB V).
- Auf der Landesgartenschau Singen 2000 koordinierte die LAGH zusammen mit dem BSK e.V. - Bereich Singen-Hegau im Juni 2000 den „Tag Behinderter Menschen” mit einer zentralen Podiumsdiskussion zur Freizeitgestaltung von Menschen mit Behinderungen, einem bunten Programm und einem Infomarkt von Selbsthilfegruppen.
- Im September 2000 bewarb sich die LAGH bei den Bundesverbänden der Gesetzlichen Krankenversicherung mit einem gemeinsamen Konzept von BAGH und LAGH´en um ein Modellvorhaben der Patienten-Beratung nach §65b SGB V.
- Im Januar beteiligte sich die LAGH als Vertreterin der Selbsthilfe an der Auftaktveranstaltung des Landes Baden-Württemberg zum „Internationalen Freiwilligenjahr 2001”.
- Auf dem BAGH- Fachkongress „Selbsthilfe in Bund und Ländern” in Berlin im Februar 2001 stellte die LAGH ihre Ergebnisse einer bundesweiten Erhebung zur Selbsthilfeförderung in den einzelnen Bundesländern aus der Sicht der Dachorganisationen vor.
Förderung innovativer Selbsthilfe-Projekte
Im Jahr 2000 unterstützte die LAGH neben zahlreichen Veranstaltungen ihrer Mitgliedsverbände zwei innovative Selbsthilfe-Projekte mit einem finanziellen Zuschuss:
- das Projekt „Gradmann-Haus in Stuttgart-Kaltental”: Alzheimer-Kranke und verwirrte ältere Menschen werden von einer Betreuungsgruppe begleitet, in der freiwillige Mitarbeiter und Angehörige ehrenamtlich mitwirken können. Die Betreuungsgruppe in diesem Zentrum für Demenzkranke ist ein Gemeinschaftsprojekt der Alzheimer-Gesellschaft Baden-Württemberg e.V. und der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart e.V.
- das „Internet-Cafe für Blinde und Sehende” in Freiburg, organisiert vom Blinden- und Sehbehinderten-Verein Südbaden e.V. Neben den üblichen Einrichtungen bietet dieses Internet-Cafe drei EDV-Plätze für Sehbehinderte mit Großbildschirm und Schriftvergrößerungssystem. Zwei Blinden-Arbeitsplätze mit Blindenschriftzeile und einer Sprachausgabe sowie einem Lesesprechgerät sind ebenfalls eingerichtet. Alle Arbeitsplätze sind mit dem Internet verbunden. Damit werden blinde bzw. sehbehinderte Studenten ihren sehenden Studienkollegen gleichgestellt. Außerdem sind integrative Fortbildungsmaßnahmen vorgesehen, an denen Blinde, Sehbehinderte und Sehende gemeinsam teilnehmen können.
Auch im Jahr 2001 wird die LAGH Veranstaltungen und Projekte ihrer Verbände bei Bedarf finanziell unterstützen können.